Trinitatis: Wer ist Gott und wenn ja, wie viele?

07Jun2020

Trinitatis: Wer ist Gott und wenn ja, wie viele?

Vor einigen Jahren behauptete ein Sachbuch 16 Wochen den Platz 1 auf der Spiegel-Bestsellerliste. „Wer bin ich? – und wenn ja, wie viele?“. Es handelt sich um eine gut verständliche philosophische Reise durch viele Gebiete des menschlichen Daseins. Es wurde zum sehr erfolgreichen Bestseller, weil es zum Entdecken und Nachdenken einlud.

Ganz selbstverständlich vermittelt schon der Titel: Der Mensch ist nicht eindimensional. Ein Mensch ist ein Beziehungswesen. Und mal ganz unphilosophisch umgedeutet – sas kenne ich doch auch: Ich kann einem Menschen beim Geld abheben begegnen und er ist für mich der Bänker im schicken Anzug. Beim Spazierengehen läuft er mir mit seinen vier Kindern über den Weg und er ist für mich der Familienvater. Und im Stadion sehe ich ihn drei Plätze neben mir im gleichen Trikot stehen und er ist für mich direkt einer der „wirklich Guten“.  😉

Drei Begegnungen in ganz unterschiedlicher Beziehung zueinander. Und höchstwahrscheinlich kenne ich ihn selbst nach diesen drei Begegnungen nur zum Bruchteil. Wie und wer er wohl wirklich ist, das weiß er vielleicht selbst noch nicht mal. („Wer bin ich – und wenn ja,, wie viele?“)

Klingt doch alles ganz klar, oder?
Warum tun sich Menschen dann aber oft mit Gott so schwer, der uns als dreieiniger Gott begegnet: Vater, Sohn und Heiliger Geist? Die Frage, wer Gott ist und wie Gott wirklich ist, werden wir nie ergründen. Müssen wir auch nicht! Es ist dieser eine, ewige und damit auch unbegreifliche Gott, der auf drei wesentliche Weisen die Beziehung zu uns sucht und aufbaut: Der Schöpfer der Himmels und der Erde gibt uns Lebensraum. Der Sohn Jesus Christus öffnet uns die unendliche, göttliche Gnade. Der Heilige Geist schafft uns bleibenden Glauben und bleibende Nähe Gottes. 1+1+1=1! Es ist ein Gott, der auf drei wesentliche Weisen eine Beziehung zu uns schafft. Alles gehört zusammen. Eins ist nicht ohne das andere zu denken. Gott ist nicht eindimensional, statisch zu begreifen und einzuordnen.

Heute feiern wir den Sonntag Trinitatis. Wir feiern die göttliche Trinität. So versuchen Christen seit dem 4. Jahrhundert die drei wesentlichen Beziehungsweisen in ein irgendwie begreifbares System zu bringen. Es ist hilfreich für manches Verstehen. Aber letztlich bleibt es ein wundervolles Geheimnis, wie Vater, Sohn und Heiliger Geist eins sein können.

Der heutige Sonntag ist eine Einladung, sich auf eine Beziehung mit Gott einzulassen. Ich darf Gott auf vielfältige Weise entdecken. An Gott zu glauben, bedeutet nicht, dass ich einmal alles begriffen und kapiert habe und das nun für richtig finde. Sondern an Gott glauben bedeutet, sich gerade mit offenen Fragen, mit Ungewissheiten und mit meiner kleinen Glaubenskraft auf den Weg zu machen, und vertrauensvoll zu leben. Ich darf und will gespannt sein, wie und wo Gott sich mir Tag für Tag neu offenbart, und wie die Beziehung zu ihm wachsen wird.

Ich kann so entdecken und erleben:

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus
und die Liebe Gottes
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
ist mit uns allen.

(nach 2. Kor 13,13)

 

 

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